Corona: Wie ein Virus mein Leben verändert

Dez 9, 2021 | Hypnose & Corona

Corona, das Virus aus Wuhan, bringt mich im März 2019 zum Nachdenken. Die Schulen werden geschlossen, der Begriff „Lockdown“ hält Einzug in unseren Sprachgebrauch. Selbstgenähte Masken, durch die man schwer atmet, sind bunt und erschreckend.

Die Horrormeldungen aus Bergamo lösen Bestürzung aus. Ich hamstere Toilettenpapier und Nudeln. Ich möchte meine Familie schützen. Konserven und Mehl als Symbol der Sicherheit. Der Boden unter mir beginnt zu schwanken.

Corona und Hypnose

Menschen sitzen in ihrer Küche, gemeinsam mit ihren kleinen Kindern, versuchen ihr Berufsleben zu organisieren. Dichtgedrängt, ohne die gewohnte, alltägliche Distanz voneinander. Zerreißprobe für alle.

Mein Sohn bezieht erneut sein Jugendzimmer. Sein Studentenapartment vermisst ihn seitdem sehr. Der Traum von einer aufregenden, inspirierenden, freien Studentenzeit ist auf Eis gelegt. „Betrogene Generation“ – denke ich und bin erstaunt, wie anpassungsfähig er ist.

Corona fordert mich heraus

Unsicherheit und Ängstlichkeit legen sich wie ein zarter, fast unsichtbarer Schleier um mich. Die anhaltende Anspannung verhärtet meine Muskeln. Ich brauche inneren Halt, der nur aus mir selbst kommen kann – das weiß ich. Drei Hypnosesitzungen helfen, klarer zu denken und widerstandsfähiger zu werden.  

Corona und Hypnose

Der tägliche Waldspaziergang wird zu einer Kraftquelle. Ein schwarzer Wasserhund, dem ich im Wald begegne, ist Balsam für meine Seele. Das Alleinsein in der Natur bringt mich näher zu mir selbst. Inmitten von Borkenkäfern befallenen Bäumen, die bald gefällt werden, fasse ich Vertrauen. Die millionenfach abgefallenen Fichtennadeln verströmen einen balsamischen Duft, der beruhigt. Veränderung auch in der geliebten Natur.

Der Sommerurlaub wird abgesagt. Die Sehnsucht an den Chiemsee zu fahren, lässt sich kaum stillen. Ich möchte die Zeit sinnvoll nutzen und bilde mich weiter. Zoom bringt mich neuen Menschen näher. Hypnose wird zu einem Geschenk, das ich nicht mehr hergeben werde.

Alle wollen einen Hund. Ich auch! Ich liebe Tiere, besonders bellende Fellnasen. Ich nehme Kontakt mit Tierheimen und Hundezüchtern auf. Das Körbchen ist immer noch leer.

Die Eitelkeit versteckt sich vor Corona

Die Haare werden länger. Keiner kommt an der Haarschneidemaschine und mir vorbei. Gut, dass Haare nachwachsen. Eine Friseurin ist definitiv systemrelevant – wie wir alle!

Corona und Hypnose

Hoffnung keimt auf, dass wir Menschen, mit dieser schrecklichen Bedrohung im Nacken, zusammenrücken. Ich werde eines Besseren belehrt. Mit Unverständnis höre ich mir manche Ansichten meiner Mitmenschen an. Einiges ist kaum zu ertragen. Corona lehrt, wie bedeutsam Toleranz und Respekt für das Zusammenleben sind.

Der Heiligabend kommt, aber Oma und Opa nicht. Silvester ohne Feuerwerk schenkt etlichen Vögeln das Leben, die all die Jahre zuvor – vor Schreck – von den Bäumen fielen. Neues Jahr, neues Glück und der Wunsch, bald wieder ein „normales“ Leben zu leben. Aber was ist das Normale eigentlich?

Ich verstehe immer mehr, was Anpassungsfähigkeit für die Menschheit und die Natur bedeutet. Ein “Weiter so” wird es für mich nicht geben. Die Chance, die mir diese besonderen Zeiten bietet, will ich nutzen, um irgendwann vielleicht weise zu sein.

Corona, die Impfung und die Frage nach Sicherheit

Im Februar 2020 startet das Ringen um einen Impftermin. Im April begleite ich meine Eltern ins Impfzentrum. Eine Sorge weniger. Später kremple ich die Ärmel hoch und habe wieder Angst, diesmal vor Nebenwirkungen.

Ich komme an meine Grenzen. Mentale Flexibilität ist gefragt. Das mediale Bombardement lähmt mich, gleichzeitig bin ich aufgewühlt. Stelle fest, dass ich mich seit Monaten in einer Art Warteposition befinde. Ich gaukle Normalität vor und warte insgeheim auf den Tag X, an dem wir alle ausatmen können.

Ich werde ruhiger, passe mich an und fühle mich geschützter. In dieser Zeit erhalte ich einen Brief von meiner langjährigen, besten Freundin. Sie bezeichnet sich als Querdenkerin und möchte sich nur mit Gleichgesinnten umgeben. Ich weine einer gemeinsamen Zeit hinterher und muss Abschied nehmen.

Corona und Hypnose

Step by step, bit by bit *

Viele der seelischen Herausforderungen, die auch durch die Pandemie ausgelöst werden, kann ich – Gott sei Dank – in Trance meistern. Schritt für Schritt werde ich mir vertrauter, fühle mich stabiler und authentischer. Einiges kommt auf den Prüfstand. Es ist nicht einfach, diese Auseinandersetzungen mit sich selbst, aber es lohnt sich.

Abstand halten ist angesagt. Rückzug. Es herrscht Ruhe über den Wolken – kein Dröhnen der Motoren zu hören. Himmlisch. Dafür reden meine Freundinnen und ich stundenlang am Telefon. Klageweiber, die täglich versuchen, den Balanceakt hinzubekommen. Gemeinsam tragen wir uns, das tut gut.

Corona engt den Bewegungsraum zwar ein, schenkt mir jedoch die Freiheit, viele Wenns und Abers loszulassen. Ich wage was, werde robuster und kann so manchen einschränkenden Glaubenssatz hinter mir lassen.

Loslassen ist das Gebot der Pandemie. Ich bin aber eine Festhalterin, weil Loslassen Abschiednehmen impliziert. Um die Disziplin des Freigebens zu perfektionieren, brauche ich noch Zeit, denn es sind einige Beziehungen, Erfahrungen und Erwartungen mit ihr verknüpft.

Ich wachse mit meinen Klientinnen, die mir ihre Gefühle anvertrauen. Ich erlebe, wie auch diese Frauen bemüht sind – mutig sind – sich ihren Dämonen zu stellen. Wir sitzen in einem Boot und rudern gemeinsam, in unserem eigenen Tempo, Richtung Zukunft.

 Quelle: * https://www.songtexte.com/songtext/whitney-houston/step-by-step-4bd6c7a6.html

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